Der Bouldercup im Nachgang

Der Bouldercup im Nachgang

Die letzte Woche verging wie im Flug, inzwischen haben sich die Magnesiawolken vom Wettkampf verzogen und wieder Platz für die ewig neuen gemacht. Zurückgeblieben ist die Erinnerung an einen aufregenden Bouldercup, greifbar in Form vieler neuer Boulder, denen noch der saure Wettkampfschweiß anhaftet … und der lockt noch immer begeisterte Projektierer an. Allen, die vergangenen Samstag nicht dabei sein konnten, sei gesagt: Schade! – So schön wird’s sicher nie wieder!

Wer jetzt denkt, ich übertreibe – hat vielleicht Recht; wer meint, ich lüge, kennt den rocks.-Cup nicht. Ich beginne also besser von vorn, und ihr seht selbst:

Angefangen hat alles in den frühen Morgenstunden – einige Boulder waren noch warm, so frisch waren sie – als die Jüngsten kurz nach 9 Uhr an die Startgriffe gingen. 25 Starter zwischen 7 und 17 freuten sich auf Henkel, Leisten und Sloper, die sich parcourartig über die ganze Halle verteilten. In 22 Wegen sollte sich zeigen, wer die stärksten Arme und wer die beweglichsten Beine hat.  So klein die Hände mitunter waren, so groß war die Aufregung, die sich in den Gesichtern aller Teilnehmer abzeichnete. Der eine und die andere wuchsen in Problemen, die anfangs noch unlösbar schienen, geradezu über sich und die eigene Körperlänge hinaus und konnten schließlich doch noch den Zielgriff mit beiden Händen bezwingen. Wie schön mitanzusehen, wenn sich die Anspannung endlich in einem erleichterten „Geschafft!“ löst.

In den beiden Altersklassen 7-11 & 12-17 Jahre gab es um die ersten Plätze dann auch sehr spannende Rennen. Während die Entscheidung zwischen Platz 1 und 2 der 12-17-jährigen Mädchen ganz knapp zugunsten Alma-Magdalena Bestvater aus Weimar ausfiel, musste für die Jungs der selben Altersklasse rasch noch ein Finale her. Aus diesem ging Armin-Maximilian Bestvater als Sieger hervor. Was da wohl im Frühstück war …?  Herzlichen Glückwunsch von uns an die Weimarer Geschwister!

Nach nur wenigen Stunden Verschnauf- und Umbaupause ging um 16.10 Uhr das Spektakel von neuem los, als die Erwachsenen auf die Wände losgelassen wurden. Die erschlagende Müdigkeit der Schrauber hielt nicht lange an, angesichts des Sportsgeistes, der durch die Halle zog. Die Boulderer hatten mit 45 Problemen allerdings auch ein straffes Programm vor sich, das bis 20.30 Uhr bestmöglich durchgezogen sein musste, wenn man sich anschließend im Finale wiederfinden wollte. Pünktlich zum Frühlingsbeginn ließ sich denn auch die Sonne nicht länger bitten und hinderte wohl die ein oder andere Bouldergröße von außerhalb daran, seine Voranmeldung in eine Registrierung in der Startliste umzuwandeln. Schade, doch ist ein Finale unter den lokalen Atzen nicht minder spannend, wie wir feststellen durften.

Die drei Damen des Abends durften sich nach kurzer Verschnaufpause in der Isolation wieder vollständig zur Besichtigung des ersten Finalproblems einfinden, das ihnen Schrauber Christoph Reichert aus nur drei Griffen und viel Struktur in der Senkrechten zubereitete. Nach dieser delikaten Vorspeise folgten zwei weitere Schmankerl aus der Profiküche, die von den Finalistinnen sehr viel Biss verlangten (wie die Bilder in der Galerie beweisen). Als stärkste Boulderin ging schließlich Diana Schellenberg vor Janine Ziermann und Bettina Rudolph von der Matte, bevor sich alle drei pappsatt vor dem Boulderkäfig für das nun folgende Herrenfinale niederließen.

Hier ging es nicht weniger heftig zur Sache, zumal doch gleich fünf Herren in den Ring gingen, um uns Zuschauern mit dem Kampf um den ‚Master of Plastics‘ das Samstagabendprogramm zu füllen. So wurde gezogen und gehookt, gestöhnt, geschwitzt und geschnauft (Männer beim Bouldern eben ..), bis schließlich Paul Neumann seine herausragende Qualifikationsleistung bestätigen konnte, indem er die beste Mischung aus Beweglichkeit, Kraft und Reichweite auch in Christophs vielseitigen Finalbouldern an die Wand brachte.

Gegen 23 Uhr war das ganze Spektakel dann vorbei. Die abgekämpften Athleten versuchten, sich mit Chili con Carne de la casa und einem kühlen Bier noch einmal zu reaktivieren, um den schwierigsten Weg des Abends zu gehen – den Heimweg. Jetzt konnten endlich auch Schrauber und Thekenpersonal in die Sofas sinken, die Arme am Boden, aber den Kopf mitten in den Wolken, die noch in der Halle standen. Da husteten sie einmal kräftig und versanken in ihren Träumen von einem gelungenen Bouldercup, der sicher bald seine Wiederholung finden soll.

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